Kobe

Nach unserer Kehrtwende in Fukuoka begeben wir uns auf den Rückweg nach Tokyo und machen einen Zwischenstopp in Kobe.

Nach dem Checkout begeben wir uns auf den Weg zum Bahnhof und machen den Fehler, erst noch ein bisschen herumzutrödeln, bevor wir uns die Sitzplatzreservierung im Shinkansen nach Kobe holen. Als wir es dann nämlich tun, sind alle Sitzplätze in dem Zug unserer Wahl bereits vergeben und nun haben wir noch mehr Zeit für Shopping und Aussicht genießen. 😉 Dazu haben wir im und auf dem Bahnhof auch viele Möglichkeiten. Es gibt neben einer guten Aussicht auch einen kleinen Schrein und sogar eine Mini-Bahnstrecke und Spielgeräte für Kinder auf dem Dach. Um die Spielenden muss man sich auch keine Sorgen machen, denn das JR-Sicherheitspersonal hat immer ein Auge auf die Kleinsten und steht mit einem Lächeln neben der Spielfläche.
Apropos Sicherheitspersonal: Die Polizisten in Japan tragen keine Schusswaffen, sondern höchstens einen Schlagstock. Und wir sind uns sicher: Sie werden höflichst um Verzeihung bitten, bevor Sie damit einen Bösewicht verhauen. 😉

Im Shinkansen Richtung Shin-Kobe verspeist Heike den Inhalt Ihrer Bento-Box, die wir am Bahnhof gekauft haben. Da geht die Sonne auf, wenn man den bunten und liebevoll angeordneten Inhalt nach dem Auspacken aus der schicken Verpackung sieht! Zwischendurch eine Durchsage: Zu Ihrer Linken können Sie jetzt eine Sehenswürdigkeit sehen (leider verstehe ich nicht welche). Da wir rechts sitzen bekommen wir auch keine gute Sicht, aber lustig genug, dass solche Durchsagen im Schnellzug überhaupt gemacht werden. 😁

In Kobe angekommen, laufen wir erst einmal los, um uns umzuschauen. Im nächsten Hostel können wir erst ab 16 Uhr einchecken und auch das Gepäck nicht vorher abgeben. Nach wenigen Minuten haben wir schon eine kleine Attraktion ausgemacht: Die Kobe Herb Gardens mit einer eigenen Seilbahn, um auf den Berg zu kommen. Und schon geht es von der Großstadt per Gondel hoch ins Grüne. Unser Gepäck hat einen Ehrenplatz mit bester Aussicht. Zwei Gondeln vor uns fährt übrigens ein Rollstuhl mit. Absolut selbstverständlich! Die Türen werden auch von Personal und nicht nur automatisch geschlossen und auf der Zwischenstation werden wir höflichst darauf hingewiesen, dass es noch eine Station weitergeht und bekommen eine Karte vom Park überreicht. Von oben haben wir schon mal einen guten Blick über die Gärten, durch die wir gleich herunterlaufen werden.

Oben angekommen stärke auch ich mich und dann geht es mit einem Eis in der Hand in die Gärten. Hier gibt es viele Beete mit allen erdenklichen Kräutern. Allein für Thymian gibt es mehrere mit über sieben verschiedenen Sorten. Natürlich gibt es auch Blumen, die einfach nur schön aussehen sollen. Nach dem Besuch der Gewächshäuser suchen wir uns Hängematten und genießen die letzten Sonnenstrahlen bei Vogelgezwitscher.

Von der Mittelstation geht es nun wieder abwärts, wir wollen im Hostel einchecken. Auf dem Weg sehe ich noch ein Auto der Super-Polizei von Kobe, das ich ablichten muss. 😜

Unser Herbergsvater nimmt uns freundlichst in Empfang und führt uns durch die Räumlichkeiten, erklärt uns das Türschloss und erledigt die Formalien mit uns. Auch ein kleines Präsent wird uns noch überreicht. Die Betten sind diesmal Hochbetten mit Futons. Aber nicht so wackelige Angelegenheiten, wie wir sie schon in so mancher Jugendherberge im Ausland erlebt haben, sondern große, anscheinend selbstgebaute Holz-Hochbetten. Auch ohne die uns angebotene zusätzliche Unterlage werden wir hier gut schlafen!

Nachdem wir uns frisch gemacht haben, starten wir auf zur Hauptattraktion: Abendessen in der neueröffneten Kobe Beef Gallery! Wir finden sie nach einigem Suchen im Dritten Stock eines Gebäudekomplexes. Kobe Fleisch gibt es offiziell nur in einer handvoll zertifizierter Restaurants – erkennbar durch die ausgestellte goldene Statue. Dieses hat erst letzten Monat eröffnet und hat eine kleine Gallerie, in der man sich über Kobefleisch informieren kann, während man auf seinen Sitzplatz wartet. Heike hat sich mit Katakana in die Warteliste eingetragen.

Wir lesen uns schlau und bewundern den riesigen Kühlschrank mit Kobefleisch. Ein paar Minuten später ist es so weit: Der Koch schaut mich freundlich an und fragt „Heike?“ – Ich rufe Heike und wir setzen uns vor die Bratfläche an die Theke. Wir treffen unsere Auswahl und ich erwarte voller Vorfreude den Koch. Er kommt und beginnt mit dem Vorbereiten der Beilagen. Unser Fleisch wird uns präsentiert und anschließend nach unseren Wünschen zubereitet – wir wählen die vom Koch empfohlene Zubereitung: Rare. Nach kurzer Zeit ist es perfekt angerichtet und wir genießen unser bestes jemals gegessenes Fleisch. 😁

Das Essen war so gut, dass ich die nächsten Stunden nicht mehr aus dem Grinsen komme. Auch jetzt beim Schreiben bin ich wieder glücklich. 😊 Auf dem Weg zurück ins Hostel machen wir noch ein paar Umwege und spazieren vorbei am Hafen und einer riesen Golf Driving-Range mitten in der Stadt, die mit ihren hohen Netzen so manchem Wolkenkratzer Konkurrenz macht.

Im Hostel angekommen unterhalten wir uns noch bis um 1 Uhr Nachts mit unserem Gastgeber und einem weiteren Übernachtungsgast aus England über Gott und die Welt. Danach fallen wir müde in unsere Futons.

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